Über mich

Werdegang und Interessen

Das Interesse an Sprachen und Literatur begleitet mich schon mein gesamtes Leben; besonders die englische Sprache und Literatur, aber nicht nur. Mein Anglistikstudium führte mich für ein Auslandssemester nach Irland, wo mein Interesse an keltischen Sprachen geweckt wurde. Seit einiger Zeit lerne ich deshalb die Schottisch-Gälische Sprache. Das Spanische begleitete mich durch die Schulzeit und auch schon durch Ecuador.

Nach meinem Bachelorabschluss entschied ich mich, beide Interessen zu verbinden und nahm ein Übersetzerstudium auf, das ich 2017 abschloss. Seitdem arbeite ich als freiberufliche Übersetzerin für Literatur, Filmuntertitelung und Videospielinhalte. Als Teil eines Übersetzerteams konnte ich schon an einigen Publikationen mitwirken, die auf meiner Publikationsliste zu finden sind.

Constanze Wehnes

Constanze Wehnes Constanze Wehnes

Publikationen

bisher veröffentlichte Übersetzungen

Buchcover von 'Meghan: Von Hollywood in den Buckingham-Palast' von Andrew Morton

Meghan: Von Hollywood in den Buckingham-Palast. Ein modernes Märchen

Andrew Morton

Die neue Biografie vom Diana-Biografen gewährt tiefe Einblicke in das Leben des jüngsten Mitglieds im englischen Königshaus.

Übersetzer

Aus dem Englischen von: Heike Holtsch, Silvia Kinkel, Kristina Lake-Zapp, Jennifer Thomas, Sara Walczyk, Constanze Wehnes und Fabienne Weuffen. Erscheint im Heyne Verlag

Buchcover von 'Erinnerungen und Abenteuer' von Sir Arthur Conan Doyle

Erinnerungen und Abenteuer

Sir Arthur Conan Doyle

Sir Arthur Conan Doyle muss wohl nicht vorgestellt werden, allerdings kennt man ihn vor allem als Autor der Geschichten um Sherlock Holmes. In seinen Memoiren erzählt Doyle von seinem turbulenten Leben und gewährt dem Leser einen Blick auf die vielen anderen Seiten seiner Selbst.

Leseprobe

Erinnerungen und Abenteuer

Die Hope war eines der ersten Schiffe, die in jenem Jahr die Robbenschar entdeckte, doch bevor der Tag kam, an dem wir die Jagd beginnen durften, erlebten wir eine Reihe starker Stürme, gefolgt von heftigem Rollen, was das Eis zum Kippen brachte, und so die jungen Robben vor ihrer Zeit ins Wasser beförderte – sodass, als das Gesetz uns endlich erlaubte an die Arbeit zu gehen, die Natur uns nur noch wenig Arbeit übrig gelassen hatte. Nichtsdestoweniger begab sich im Morgengrauen des 3. April die Besatzung auf das Eis und begann mit ihrer blutrünstigen Ernte. Es ist eine grausame Arbeit, wenngleich nicht grausamer als jene, die allabendlich für einen gedeckten Tisch sorgt. Und doch waren diese leuchtend blutroten Lachen auf dem gleißenden Weiß der Eisfelder unter dem stillen blauen Polarhimmel ein abscheulicher Schandfleck. Doch ein steter Bedarf erfordert ein stetes Angebot, und mit ihrem Tod tragen die Robben dazu bei, einer langen Reihe von Seemännern, Werftarbeitern, Gerbern, Transiedern, Kürschnern, Kerzengießern, Leder- kaufleuten und Ölhändlern den Lebensunterhalt zu sichern, die zwischen diesem jährlichen Abschlachten auf der einen Seite und dem piekfeinen Herrn in seinen weichen Lederstiefeln auf der anderen Seite stehen, oder dem Gelehrten, der das erlesene Öl zur Pflege seiner Mikroskope und anderer Gerätschaften benötigt. Ein persönliches Abenteuer sorgte dafür, dass der erste Tag der Robbenjagd für mich besonders einprägsam verlief. Ich erwähnte bereits den starken Seegang, der die Eisschollen gegeneinander krachen ließ, weshalb der Kapitän entschied, dass es für einen unerfahrenen Mann zu gefährlich sei, sich auf das Eis vorzuwagen. Er beorderte mich also zurück an Bord, gerade als ich mit den anderen über die Schiffswand kletterte, und befahl mir, dort zu bleiben. Mein Protest blieb ungehört, und so hockte ich mich schließlich missmutig auf die Schiffswand, ließ die Beine baumeln und blies Trübsal, während die See das Schiff und mich auf und ab schaukeln ließ. Allerdings saß ich auf einer dünnen Schicht Eis, die sich auf dem Holz gebildet hatte, und als das Schiff von einer besonders rauen Welle getroffen wurde, warf es mich im hohen Bogen ab und beförderte mich ins Wasser, wo ich zwischen zwei Eisblöcken verschwand. Als ich wieder auftauchte, klammerte ich mich an einen davon und kletterte bald darauf wieder an Bord. Etwas Gutes hatte das Missgeschick immerhin, denn der Kapitän bemerkte, da ich in jedem Fall ins Wasser fallen werde, mache es wohl keinen Unterschied, ob ich mich auf dem Eis oder dem Schiff befinde. Ich bestätigte seine ursprünglichen Befürchtungen, indem ich mein Kunststück an diesem Tag noch zweimal wiederholte. Am Ende des Tages musste ich mich schmachvoll in meine Koje zurückziehen, während all meine Kleidung im Maschinenraum trocknete. Es war mir jedoch ein Trost, dass mein Unglück den Kapitän offenbar so sehr amüsierte, dass er darüber den Misserfolg unserer Robbenjagd vergaß, und noch lange trug ich den Namen „der große Nordmeertaucher“. Einmal bin ich jedoch nur knapp davongekommen, als ich beim Häuten einer Robbe einen Schritt zurück und über den Rand einer Eisscholle trat. Ich war ein wenig abseits von den anderen und niemand sah mich in meiner misslichen Lage. Das Eis war so glatt, dass ich keinen Halt fand, um mich wieder hochzuziehen, und mein Körper wurde schnell taub in dem eiskalten Wasser. Schließlich jedoch gelang es mir, die Schwanzflosse der toten Robbe zu packen, und in einer Art albtraumhaftem Tauziehen musste entschieden werden, ob ich die Robbe ins Wasser oder mich an Land ziehen würde. Endlich bekam ich ein Knie über den Rand und zog mich hoch. Ich erinnere mich, dass meine Kleidung zu einer Rüstung gefroren war und nur so knirschte, als ich das Schiff erreichte. Ich musste sie erst auftauen lassen, bevor ich sie ausziehen konnte.

Sir Arthur Conan Doyle: Erinnerungen und Abenteuer: Eine Autobiographie. Verlag 28 Eichen, Barnstorf 2017. 42 - 44

Die Übersetzung entstand in Zusammenarbeit von Studierenden des Studiengangs Literaturübersetzen und dem Verlag 28 Eichen, unter der Koordination von Heike Holtsch und in Kooperation mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen.
Aus dem Englischen von Mandana Bagheri, Maximilian Boßeler, Martin Fischer, Heike Holtsch, Britta Köhler, Kristina Mundt, Eva Scharenberg, Anja Schindler, Jennifer Thomas, Sara Walczyk, Constanze Wehnes und Fabienne Weuffen.

Buchcover von 'Rodney Stone' von Sir Arthur Conan Doyle

Rodney Stone

Sir Arthur Conan Doyle

Der historische Roman Rodney Stone ist eines der weniger bekannten Werke Conan Doyles. Eingebettet in eine spannende Geschichte um den Titelhelden und seinen besten Freund, entführt der Roman den Leser in die Zeit der napoleonischen Kriege und die Welt des typisch englischen, professionellen Faustkampfes.

Leseprobe

Rodney Stone

Der Frühling des Jahres 1803 kam früh, und Mitte April waren die Kastanienbäume bereits dicht belaubt. Eines Abends saßen wir alle zusammen bei einer Tasse Tee, als wir vor dem Haus Schritte knirschen hörten. Vor der Tür stand der Briefträger mit einem Brief in der Hand.

„Ich glaube, der ist für mich“, sagte meine Mutter, und tatsächlich war er in Schönstschrift an Mrs. Mary Stone, Friar’s Oak, adressiert, und ein rotes Siegel von der Größe eines Halbkronenstücks prangte darauf, mit einem fliegenden Drachen in der Mitte. „Was glaubst du, Anson, von wem der ist?“, fragte sie.
„Ich hatte gehofft, er wäre von Lord Nelson“, antwortete mein Vater. „Es wird Zeit, dass der Junge seinen Dienst antritt. Aber wenn er für dich ist, dann hat ihn wohl keine allzu bedeutende Person geschickt.“
„Ach nein?“, rief sie aus und tat entrüstet. „Für diese Worte werdet Ihr mich um Verzeihung bitten, werter Herr, denn der Brief ist von niemand Geringerem als Sir Charles Tregellis, meinem Bruder höchstpersönlich.“
Meine Mutter schien mit gedämpfter Stimme zu sprechen, als sie ihren großartigen Bruder erwähnte, und soweit ich mich erinnere, hatte sie das schon immer getan, sodass ich gelernt hatte, mich beherrscht und ehrfurchtsvoll zu geben, wann immer ich seinen Namen hörte. Das war auch kein Wunder, denn tatsächlich wurde dieser Name stets und ausschließlich im Zusammenhang mit etwas Bedeutungsvollem und Außergewöhnlichem erwähnt. So kam uns einmal zu Ohren, dass mein Onkel zusammen mit dem König auf Windsor weilte. Er war oft in Brighton beim Prinzen zu Besuch. Hin und wieder machte er durch seinen Ruf als Sportsmann von sich reden, etwa als sein Meteor beim Pferderennen in Newmarket über den Egham des Duke von Queensberry triumphierte, oder als er Jim Belcher aus Bristol mit nach London brachte und damit die Sportwelt überraschte. Doch für gewöhnlich war es sein Ruf als Vertrauter der Mächtigen, als Vorreiter der neuesten Mode, als König der Dandys und als bestgekleideter Mann der Stadt, der ihm vorauseilte. Mein Vater jedoch schien nicht allzu erfreut über die triumphale Erwiderung meiner Mutter.
„Aye, und was will er?“, fragte er in nicht gerade liebenswürdigem Ton.
„Ich habe ihm geschrieben, Anson, und ihm berichtet, dass Rodney zum Mann heranwächst, denn ich dachte, da er keine Frau und keine eigenen Kinder hat, wäre er vielleicht bereit, ihn zu fördern.“
„Wir kommen sehr gut ohne ihn zurecht“, knurrte mein Vater. „Bei Blitz und Donner hat er uns im Stich gelassen, und jetzt, da die Sonne scheint, brauchen wir ihn auch nicht mehr.“
„Du tust ihm Unrecht, Anson“, sagte meine Mutter mit warmer Stimme. „Niemand hat ein so gutes Herz wie Charles, doch da sein eigenes Leben so glatt verläuft, kann er nicht verstehen, dass andere es schwer haben. All diese Jahre hätte ich nur ein Wort sagen müssen, und er hätte mir alles gegeben, wonach es mich verlangte.“
„Gott sei’s gedankt, dass du dich nie dazu herablassen musstest, Mary. Ich verzichte getrost auf seine Hilfe.“ „Aber wir müssen an Rodney denken.“
„Für seine Seemannskiste und Ausrüstung reicht’s. Mehr braucht er nicht.“
„Aber Charles hat großen Einfluss in London. Er könnte Rodney mit all den wichtigen Persönlichkeiten bekanntmachen. Du willst ihm doch sicher nicht den Aufstieg in der Gesellschaft verwehren.“
„Na, dann wollen wir mal hören, was dein Bruder zu sagen hat“, sagte mein Vater. Daraufhin las meine Mutter vor:

  • Jermyn Street 14, St. James’s
  • 15. April 1803

Meine liebe Schwester Mary,
als Antwort auf deinen Brief darf ich dir mit Nachdruck versichern, es mangelt mir keineswegs an jenen edlen Gefühlen, die den Menschen in höchstem Maße zieren. Es ist allerdings wahr, dass ich seit einigen Jahren, in denen mich Angelegenheiten von größter Wichtigkeit derart vereinnahmten, nur selten eine Schreibfeder zur Hand nehme, was mir, wie ich beteuern kann, bereits von so einigen des plus charmantes deines reizenden Geschlechts zum Vorwurf gemacht wurde. Gegenwärtig liege ich zu Bett (da ich gestern Abend noch allzu lange auf war, um der Marquise von Dover auf ihrem Ball meine Aufwartung zu machen), und Ambrose, mein kluger Schelm von einem Kammerdiener, schreibt diese Zeilen nach meinem Diktat. Es ist mir ein großes Anliegen, mehr über meinen Neffen Rodney (Mon dieu, quel nom!) zu erfahren, und da ich nächste Woche dem Prinzen einen Besuch abstatten werde, will ich es einrichten, auf meiner Reise in Friar’s Oak Rast zu machen, um dich und auch ihn zu besuchen. Richte deinem Gatten meine besten Grüße aus.
Ich verbleibe, meine liebe Schwester Mary,
stets dein Bruder,

Charles Tregellis

Sir Arthur Conan Doyle: Rodney Stone. Verlag 28 Eichen, Barnstorf 2015. 55 - 58

Die deutsche Erstübersetzung des Romans entstand in Zusammenarbeit von Studierenden des Studiengangs Literaturübersetzen und dem Verlag 28 Eichen, unter der Koordination von Heike Holtsch.
Aus dem Englischen von Mandana Bagheri, Martin Fischer, Heike Holtsch, Britta Köhler, Kristina Mundt, Eva Scharenberg, Anja Schindler, Jennifer Schwartz, Jennifer Thomas, Sara Walczyk, Constanze Wehnes, Zita Weiß und Fabienne Weuffen.

Buchcover von 'Das Klagelied des Wasserpeichers' von Gogu Shyamala

Das Klagelied des Wasser­speichers

Gogu Shyamala

Die indische Autorin wurde in die Kaste der Dalit — der Unberührbaren — geboren. Die zwölf Kurzgeschichten aus ihrer Stellung als Frau und Unberührbare erzählen vom Leben aber auch vom Leiden der Dalit, vom Kampf gegen die traditionsreiche Diskriminierung und gleichzeitigem Wunsch, eigene Traditionen zu bewahren.

Übersetzer

Aus dem Englischen von Mareike Aepker, Theresa Benkert, Theresia Brasche, Martin Fischer, Friederike Hofert, Sarah Ann-Kathrin Kranz, Julia Königs, Helena Küster, Mareike Ilsemann, Louisa Kuck, Julia Renner, Annabelle Staiger, Laura Strack, Jennifer Thomas, Sara Walczyk, Maike Wender, Constanze Wehnes und Fabienne Weuffen. Erschienen im Löcker Verlag.

Buchcover von 'Problema resuelto - Problem gelöst' von Fernando Sorrentino

Problema resuelto - Problem gelöst

Fernando Sorrentino

Das Magische hält Einzug in den Alltag in diesen kurzweiligen Geschichten des argentinischen Autors Fernando Sorrentino. Banal anmutende Situationen nehmen bizarre Wendungen und führen dem Leser die alltäglichen Absurditäten des Lebens vor Augen, laden dabei aber auch immer zum Schmunzeln ein.

Weiterführende Informationen

Band 4 der Reihe Düsseldorf übersetzt legt den Prozess des Übersetzens offen, indem es Ausgangstext und Übersetzung Seite an Seite stellt. Herausgegeben von Vera Elisabeth Gerling und Andrea Schmittmann. Erschienen im Verlag dup, dem universitätseigenen Verlag der Heinrich-Heine-Universität.

Aus dem Spanischen von Francie Boortz, Hanna Christine Fliedner, Emilia Gagalski, Sophie Hübschmann, Hoda Istan, Doreen Klahold, Sonia López, Johanna Malcher, Katharina Meyer, Anna-Maria Orlacchio, Sandra Fuertes Romero, Andrea Schmittmann, Nina Schürmann, Verena-Loraine Trzaskowski, Jana Wahrendorff, Constanze Wehnes, Tanja Wichmann, Aletta Wieczorek und Stephanie Zysk.

In Arbeit

Momentan in Arbeit: 'The Truth Lake

The Truth Lake

Shakuntala Banaji

Kailash Karmel ermittelt undercover im indischen Himalaya, wo zwei junge Touristen in einem unheimlichen Dorf eine Leiche gefunden haben wollen. Gefangen in einem Lügennetz aus Eifersucht und menschlichen Abgründen, und verfolgt von seiner eigenen Vergangenheit, begibt sich Karmel auf die Suche nach der Wahrheit.

Weiterführende Informationen

Die Autorin und ich sind auf der Suche nach einem Verlag, der diesen ungewöhnlichen Kriminalroman in deutscher Übersetzung verlegen möchte. Bei Interesse kontaktieren Sie mich gerne.

Leseprobe

The Truth Lake

Als der stete Regen schließlich den Boden in eine erst träge, dann immer schneller abrutschende, aber alles andere als leblose Matschmasse verwandelte, entschied der Fremde, dass es reichte - es war Zeit diesen Ort zu verlassen. Er war seit Juli dort gewesen und hatte zahllose Nächte unter dem düsteren Himmel verbracht, der sich über diesem Vorgebirge im Himalaya erstreckte. Die andauernde Kälte war auch keine gute Gesellschaft. Einsame Abende, die nach Kuhdung, Holzfeuer und dem beißenden Tabak alter Frauen rochen, hatten ihm reichlich Zeit gelassen, über dem ihm aufgegebenen Rätsel zu grübeln. Doch er war zu dem Schluss gekommen, dass, wenn er eine Lösung finden wollte, er sie zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort würde finden müssen, denn beides war ihm nicht länger freundlich gesonnen, konnte gewissermaßen nicht länger sein Überleben garantieren. Auf die ihm eigene, bedächtige Art hatte er die einzig sinnvolle Schlussfolgerung gezogen: wenn er bliebe, würde er versagen. Entweder würde er das Interesse an der Lösung verlieren, oder er würde sterben, womit er nicht länger in der Lage wäre, selbst zu entscheiden, ob ihn die Lösung überhaupt interessierte. Angesichts dieser Folgerung bekam er plötzlich feuchte Hände und es verlangte ihm nach dem übelriechenden Kraut, das so viele seiner Landsleute kauten. Er erkannte seine Angst und sog sie mit jedem Atemzug ein.

Der Fremde hatte einen Namen, doch viele der Dorfbewohner weigerten sich stur, ihn zu gebrauchen und riefen ihn stattdessen einfach Sohn, Bruder und Onkel - oder, hinter seinem Rücken, bei dem Namen, den man ihm gegeben hatte, als er ihm Dorf ankam, schwer atmend und schweißgetränkt: Fremder. So wurde ihm sein eigener Name - Kailash Karmel - so fremd wie er, den er für diese Reise angenommen hatte. Beide Namen kamen ihm gleichermaßen abstrakt und legitim vor, keiner von beiden wurde nach der ersten Woche jemals wieder laut ausgesprochen, während er sich bemühte, zu vergessen, dass er Karmel war, und versuchte, Arun Doshi zu sein, ein Bodenanalytiker aus einem staubigen Ministerium in Neu Delhi. Der Regen war stärker geworden. Tagelang hatte es störrisch vor sich hin getröpfelt, und entlang der steilen Pfade hatte sich eine glitschige Mischung aus Dung, Gras und Wurzeln aufgehäuft. Die Häuser waren feucht und das Essen nie heiß genug, da kein Feuer lange dem steten Tröpfeln standhalten konnte. Es schien, als hätten die Wolken plötzlich aufgegeben und im Zwielicht eines atemlosen Morgengrauens ihre Last auf den sehnsüchtig wartenden Leib der Erde abgeworfen. Einen solch endgültigen Regen konnte kein Lebewesen ignorieren. Der Himmel war verschwunden, und alles was der Fremde um sich herum sehen konnte, waren die flatternden Flügel des Regens. Als wäre das für einen Städter noch nicht genug, hatte sich auch noch eine bunte Insektenbande im tristen Innern seiner Hütte zusammengefunden: Spinnen, größer als die Mäuse in Delhi, saßen betrübt über seiner durchnässten Schlafstatt. Wie verblasste Blumen umkreisten Motten seine schnell verlöschende Lampe und streiften mit den Flügeln sein Gesicht. Doch am Schlimmsten waren die bemitleidenswerten und doch so abstoßenden Grillen, die sich in der zunehmenden Düsternis an jeder trockenen Stelle übereinander stapelten und kreischend wieder herunterstürzten.